Gebrauchtes Elektroauto kaufen: Worauf Sie achten müssen
e-mobility Redaktion
Gebrauchte Elektroautos sind so günstig wie nie: Modelle, die neu 40.000 Euro kosteten, wechseln heute für unter 20.000 Euro den Besitzer. Der Grund sind vor allem Rückläufer aus Leasingverträgen, die den Markt füllen. Beim Gebrauchtkauf entscheidet allerdings ein Bauteil über alles – und das lässt sich nicht auf den ersten Blick beurteilen.
Lohnt sich ein gebrauchtes Elektroauto?
Für viele ja, und zwar aus einem einfachen Grund: Elektroautos verlieren in den ersten Jahren überdurchschnittlich an Wert, altern technisch aber langsamer als Verbrenner. Es gibt keine Kupplung, keinen Zahnriemen, keinen Auspuff, und die Bremsen verschleißen durch die Rekuperation deutlich langsamer. Wer den ersten Wertverlust dem Vorbesitzer überlässt, kauft ein technisch vergleichsweise anspruchsloses Fahrzeug.
Der Haken: Die Batterie ist das mit Abstand teuerste Bauteil, und ihr Zustand bestimmt Reichweite wie Restwert. Genau dort lohnt sich die Sorgfalt.
Das Wichtigste: der Batteriezustand
Entscheidend ist der State of Health (SoH) – der Anteil der ursprünglichen Kapazität, den die Batterie heute noch bereitstellt. Ein Wert von 90 Prozent bedeutet: Von 100 Kilometern ursprünglicher Reichweite sind noch 90 übrig.
Den SoH können Sie nicht schätzen und auch nicht am Tacho ablesen. Lassen Sie ihn vor dem Kauf per unabhängigem Batterietest auslesen – Prüforganisationen und viele Werkstätten bieten das an. Ein solcher Test kostet einen Bruchteil dessen, was ein Batterietausch kostet.
Was die Herstellergarantie abdeckt
Bei Batteriegarantien hat sich ein Branchenstandard etabliert: acht Jahre oder 160.000 Kilometer, je nachdem was früher eintritt. Garantiert wird dabei eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent. Sinkt die Kapazität innerhalb dieses Zeitraums darunter, tauscht der Hersteller einzelne Module oder die komplette Batterie auf eigene Kosten [1].
Einzelne Hersteller gehen darüber hinaus – Hyundai etwa gewährt für Ioniq und Kona acht Jahre oder 200.000 Kilometer. Bei Kleinstwagen mit kleinen Akkus liegen die Werte teils darunter.
Fragen Sie deshalb immer nach dem Datum der Erstzulassung und dem Kilometerstand: Beides zusammen sagt Ihnen, wie viel Garantie noch übrig ist. Ein Fahrzeug mit 140.000 Kilometern nach fünf Jahren hat rechnerisch kaum noch Garantiereserve.
Welche gebrauchten E-Autos sind empfehlenswert?
Der ADAC hat sieben Modelle zusammengestellt, die unter 20.000 Euro zu haben sind [2]:
| Modell | Baujahr | Preis | Reichweite |
|---|---|---|---|
| VW e-Up | 2020/2021 | 12.000–14.000 € | 150–250 km |
| Renault Zoe | 2020/2021 | 13.000–17.000 € | 220–300 km |
| Fiat 500e | 2020/2021 | 15.000–19.000 € | 150–250 km |
| BMW i3 | 2019/2020 | 15.000–20.000 € | 150–250 km |
| Hyundai Kona Elektro | 2020/2021 | 18.000–20.000 € | 250–400 km |
| Tesla Model 3 | 2019/2020 | 18.000–20.000 € | 250–350 km |
| VW ID.3 | 2020/2021 | 18.000–20.000 € | 250–350 km |
Die Reichweitenangaben sind Spannen, weil sie stark von Batteriegröße und Zustand abhängen. Wer überwiegend in der Stadt fährt, kommt mit den kleineren Modellen gut zurecht; für regelmäßige Langstrecke sind Kona, Model 3 und ID.3 die sinnvolleren Kandidaten.
Was ist ein Elektroauto nach vier Jahren noch wert?
Eine allgemeingültige Prozentzahl gibt es nicht – der Wertverlust hängt von Modell, Ausstattung und Batteriezustand ab. Die Größenordnung lässt sich aber an den aktuellen Preisen ablesen: Ein Tesla Model 3 von 2019/2020 lag neu deutlich über 40.000 Euro und ist heute für 18.000 bis 20.000 Euro zu haben.
Dieser Verfall hat einen konkreten Grund: Auslaufende Leasingverträge spülen viele gleichartige Fahrzeuge gleichzeitig auf den Markt. Für Käufer ist das die Chance, für Verkäufer ein Argument, den Zeitpunkt zu wählen.
Checkliste für die Besichtigung
- SoH-Wert schriftlich geben lassen – nicht auf mündliche Zusagen verlassen
- Erstzulassung und Kilometerstand gegen die Garantiegrenzen rechnen (8 Jahre / 160.000 km)
- Ladeverhalten testen: Lädt das Fahrzeug an einer Schnellladesäule die angegebene Leistung?
- Ladekabel prüfen: Sind Typ-2-Kabel und gegebenenfalls Schuko-Adapter dabei? Ersatz kostet schnell dreistellig.
- Serviceheft und Software: Wurden Updates eingespielt, sind Wartungen dokumentiert?
- Garantieübertragung klären: Bleibt die Batteriegarantie beim Halterwechsel bestehen? In der Regel ja, aber die Bedingungen unterscheiden sich.
Wie stark Kälte die Reichweite beeinflusst, lesen Sie in unserem Beitrag zur Reichweite von Elektroautos – bei einem gebrauchten Fahrzeug mit gealterter Batterie fällt dieser Effekt deutlicher aus.
Quellen
[1] ADAC: Elektroauto-Batterie – Lebensdauer, Garantie, Reparatur
[2] ADAC: Gebrauchte E-Autos unter 20.000 Euro
Häufige Fragen
Ist es sinnvoll, ein gebrauchtes Elektroauto zu kaufen?
Für viele ja. Elektroautos verlieren in den ersten Jahren überdurchschnittlich an Wert, altern technisch aber langsamer als Verbrenner: Es gibt keine Kupplung, keinen Zahnriemen und keinen Auspuff, und die Bremsen verschleißen durch die Rekuperation langsamer. Entscheidend ist allein der Zustand der Batterie – sie ist das teuerste Bauteil.
Wie prüft man den Batteriezustand beim gebrauchten E-Auto?
Über den State of Health (SoH), also den Anteil der ursprünglichen Kapazität, den die Batterie noch bereitstellt. Der Wert lässt sich weder schätzen noch am Tacho ablesen – er muss ausgelesen werden. Prüforganisationen und viele Werkstätten bieten unabhängige Batterietests an. Lassen Sie sich das Ergebnis schriftlich geben.
Wie lange gilt die Batteriegarantie bei Elektroautos?
Branchenstandard sind acht Jahre oder 160.000 Kilometer, je nachdem was früher eintritt. Garantiert wird eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent. Fällt die Kapazität in diesem Zeitraum darunter, tauscht der Hersteller Module oder die gesamte Batterie auf eigene Kosten. Einzelne Hersteller wie Hyundai gewähren bis zu 200.000 Kilometer.
Welche gebrauchten Elektroautos sind zu empfehlen?
Der ADAC nennt sieben Modelle unter 20.000 Euro: VW e-Up ab etwa 12.000 Euro, Renault Zoe ab 13.000 Euro, Fiat 500e ab 15.000 Euro, BMW i3 ab 15.000 Euro sowie Hyundai Kona Elektro, Tesla Model 3 und VW ID.3 zwischen 18.000 und 20.000 Euro. Für Langstrecke eignen sich Kona, Model 3 und ID.3 am besten, weil sie 250 bis 400 Kilometer schaffen.
Was ist ein Elektroauto nach vier Jahren noch wert?
Eine allgemeingültige Prozentzahl gibt es nicht, die Größenordnung zeigen aber die aktuellen Preise: Ein Tesla Model 3 von 2019/2020 kostete neu deutlich über 40.000 Euro und ist gebraucht für 18.000 bis 20.000 Euro zu haben. Der Hauptgrund für den Preisdruck sind auslaufende Leasingverträge, die viele gleichartige Fahrzeuge gleichzeitig auf den Markt bringen.