7 E-Autos mit großer Reichweite im Vergleich
Felix Bahr
Die Reichweite entscheidet für viele über den Umstieg aufs Elektroauto. Nur: Die Zahl im Prospekt und die Zahl auf der Autobahn sind zwei verschiedene Dinge. Zwischen der WLTP-Angabe des Herstellers und der gemessenen Reichweite im ADAC-Ecotest liegen bei manchen Modellen mehr als 300 Kilometer. Wir zeigen beide Werte nebeneinander – und erklären, warum sie so weit auseinanderliegen.
Welches E-Auto hat die größte Reichweite?
Die belastbarste Antwort liefert der ADAC-Ecotest. Dort werden Fahrzeuge auf einem standardisierten Rundkurs gemessen, statt sich auf Herstellerangaben zu verlassen. Diese Modelle führen die Messung an (Stand: Dezember 2025):
| Modell | Gemessene Reichweite | Verbrauch |
|---|---|---|
| Mercedes-Benz CLA 250+ | 740 km | 13,4 kWh/100 km |
| Mercedes-Benz EQS 450+ | 660 km | 20,0 kWh/100 km |
| BMW iX xDrive 50 | 610 km | 20,4 kWh/100 km |
| Lucid Air Grand Touring AWD | 610 km | 20,4 kWh/100 km |
| Audi A6 Avant e-tron performance | 580 km | 17,9 kWh/100 km |
Quelle: ADAC Ecotest, Stand 12/2025 [1]
Bemerkenswert ist der Abstand an der Spitze: Der Mercedes CLA liegt 80 Kilometer vor dem deutlich größeren EQS – und das mit einer Batterie von 85 kWh nutzbarer Kapazität. Nicht die größte Batterie gewinnt, sondern die sparsamste Technik.
WLTP oder Realität: Warum die Angaben auseinandergehen
Nach WLTP-Norm sieht die Rangliste ganz anders aus. Hier stehen Werte, die im Alltag kaum jemand erreicht:
| Modell | WLTP (Herstellerangabe) | ADAC gemessen |
|---|---|---|
| Lucid Air Grand Touring | 960 km | 610 km |
| Mercedes-Benz EQS 450+ | 920 km | 660 km |
| BMW i3 50 xDrive* | 900 km | noch nicht getestet |
| BMW iX3 50 xDrive | 805 km | noch nicht getestet |
WLTP-Werte nach Herstellerangaben [2][3]. *Der neue BMW i3 der „Neuen Klasse“ geht erst im Herbst 2026 in den Handel; die Produktion startet im August 2026.
Beim Lucid Air klaffen 350 Kilometer zwischen Prospekt und Messung – gut ein Drittel. Das liegt nicht daran, dass die Hersteller falsche Angaben machen. Der WLTP-Zyklus wird unter definierten Laborbedingungen gefahren: moderate Geschwindigkeiten, milde Temperaturen, keine Heizung, keine Zuladung. Als Vergleichsmaßstab zwischen Fahrzeugen taugt er deshalb gut, als Alltagsprognose nicht.
Als Faustregel gilt: Rechnen Sie im Alltag mit 70 bis 80 Prozent des WLTP-Werts. Im Winter kann der Anteil auf zwei Drittel sinken.
Effizienz schlägt Batteriegröße
Der Verbrauch in der ersten Tabelle zeigt, worauf es ankommt. Der Mercedes CLA kommt mit 13,4 kWh auf 100 Kilometer aus, der EQS braucht 20,0 kWh – also rund die Hälfte mehr für dieselbe Strecke. Eine größere Batterie gleicht das nur bedingt aus und bringt zwei Nachteile mit: mehr Gewicht und höhere Kosten.
Für den Kauf heißt das: Der Verbrauchswert ist die aussagekräftigere Kennzahl. Ein effizientes Fahrzeug mit mittelgroßer Batterie fährt oft weiter als ein durstiges mit großem Akku – und lädt zudem schneller wieder voll, weil weniger Energie nachgeladen werden muss.
Was die Reichweite im Alltag beeinflusst
Vier Faktoren bestimmen, wie weit Sie tatsächlich kommen:
- Geschwindigkeit. Der Luftwiderstand wächst quadratisch. Zwischen 120 und 150 km/h steigt der Verbrauch deutlich – deshalb kommt man bei zügiger Fahrt auf der Autobahn oft schneller ans Ziel, wenn man langsamer fährt.
- Temperatur. Kälte senkt die Batterieleistung, und die Heizung zieht zusätzlich Energie. Eine Wärmepumpe dämpft den Effekt spürbar.
- Fahrprofil. In der Stadt gewinnt das E-Auto Energie beim Bremsen zurück. Auf der Autobahn entfällt dieser Vorteil.
- Zuladung und Anhänger. Gewicht und veränderte Aerodynamik – etwa durch eine Dachbox – kosten spürbar Reichweite.
Reichweite gibt es nicht nur in der Oberklasse
Die Spitzenplätze belegen Fahrzeuge der Luxusklasse. Alltagstaugliche Reichweiten von 400 bis 500 Kilometern erreichen längst auch Modelle darunter – entscheidend ist auch hier der Verbrauch, nicht der Listenpreis. Wer viel Langstrecke fährt, sollte neben der Reichweite die Ladeleistung im Blick behalten: Ein Fahrzeug, das in zehn Minuten Strom für 200 Kilometer nachlädt, ist auf der Reise oft praktischer als eines mit größerem Akku und langsamer Ladetechnik.
Quellen
[1] ADAC Elektroauto-Test: Reichweite und Verbrauch
[2] Vision Mobility: Top-100-Liste der reichweitenstärksten E-Autos
[3] BMW Group: Der neue BMW i3 – das zweite Modell der Neuen Klasse
Häufige Fragen
Welches E-Auto hat die größte Reichweite?
Im ADAC-Ecotest, der die Reichweite misst statt sie aus Herstellerangaben zu übernehmen, führt der Mercedes-Benz CLA 250+ mit 740 Kilometern (Stand Dezember 2025). Dahinter folgen der Mercedes EQS 450+ mit 660 Kilometern sowie BMW iX xDrive 50 und Lucid Air Grand Touring mit je 610 Kilometern. Nach WLTP-Norm liegen die Werte deutlich höher, sind im Alltag aber nicht erreichbar.
Welche Elektroautos haben über 700 km Reichweite?
Gemessen erreicht bislang nur der Mercedes-Benz CLA 250+ mit 740 Kilometern diese Marke. Nach WLTP-Angabe der Hersteller liegen mehrere Modelle darüber – Lucid Air Grand Touring mit 960 km, Mercedes EQS 450+ mit 920 km und der neue BMW i3 50 xDrive mit 900 km. Diese Werte stammen aus dem Labor und werden im Alltag nicht erreicht.
Wie groß ist der Unterschied zwischen WLTP und echter Reichweite?
Er beträgt typischerweise 20 bis 30 Prozent. Beim Lucid Air Grand Touring stehen 960 Kilometer nach WLTP 610 gemessenen Kilometern gegenüber – eine Differenz von 350 Kilometern. Der WLTP-Zyklus wird unter Laborbedingungen gefahren: moderate Geschwindigkeit, milde Temperaturen, keine Heizung. Als Vergleichsmaßstab zwischen Fahrzeugen taugt er, als Alltagsprognose nicht.
Warum hat ein kleineres E-Auto manchmal mehr Reichweite?
Weil die Effizienz stärker wiegt als die Batteriegröße. Der Mercedes CLA verbraucht 13,4 kWh auf 100 Kilometer, der deutlich größere EQS 20,0 kWh – also rund die Hälfte mehr für dieselbe Strecke. Beim Kauf ist der Verbrauchswert deshalb die aussagekräftigere Kennzahl als die reine Akkukapazität.
Wie viel Reichweite verliert ein E-Auto im Winter?
Bei Kälte sinkt die Reichweite spürbar, weil die Batterie weniger Leistung abgibt und die Heizung zusätzlich Energie zieht. Statt der üblichen 70 bis 80 Prozent des WLTP-Werts sollte man im Winter eher mit zwei Dritteln rechnen. Eine Wärmepumpe dämpft den Effekt deutlich.