NEFZ: Bedeutung, Testablauf und Limitationen
In der Elektromobilität gibt es zahlreiche Fachbegriffe und Abkürzungen, die für den Laien oft verwirrend sind. Einer dieser Begriffe ist NEFZ der Neue Europäische Fahrzyklus. Ursprünglich entwickelt, um den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen von Verbrennungsmotoren zu messen, spielt der NEFZ auch für Elektroautos eine wichtige Rolle. In den nächsten Minuten widmen wir uns dem Thema und klären auf, was es mit dem Begriff auf sich hat und wie er sich auf die Reichweitenangaben auswirkt.
Volle Ladung Wissen zu NEFZ auf einen Blick
- NEFZ ist ein Testverfahren zur Bestimmung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen von Fahrzeugen bzw. des Energieverbrauchs von E-Autos.
- Der Test wird in einem Labor mittels Rollenprüfstand durchgeführt und simuliert eine Stadtfahrt von 13 Minuten und eine Überlandfahrt von 7 Minuten.
- Der NEFZ entspricht allerdings nicht den realen Fahrbedingungen, was zu unrealistischen Reichweitenangaben führt.
- Aufgrund der Kritikpunkte wurde das Verfahren durch WLTP ersetzt.
Was ist NEFZ?
NEFZ ist ein standardisiertes Messverfahren, um den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu bestimmen. Auch E-Autos werden überprüft, um den Energieverbrauch sowie die durchschnittliche Reichweite eines E-Autos zu ermitteln.
Dieser Test wurde in den 1990er Jahren eingeführt und setzte sich als europaweiter Standard durch. Das Hauptziel bestand darin, ein einheitliches Verfahren zu schaffen, mit dem vergleichbare Angaben zu verschiedenen Modellen gemacht werden können.
Der NEFZ fand in einem Labor unter kontrollierten Bedingungen statt. Das Auto wurde auf Rollenprüfständen getestet, wobei verschiedene Fahrzyklen simuliert wurden, die Stadt-, Überland- und Autobahnfahrten nachahmten. Und hier war auch der Haken: Obwohl der NEFZ eine standardisierte Methode bot, wurde er oft kritisiert, da die im Labor erzielten Ergebnisse nicht mit dem realen Fahrverhalten auf der Straße übereinstimmten. Viele Faktoren, die den Energieverbrauch in der realen Welt beeinflussen, wie Wetterbedingungen, Fahrstil oder Straßenbedingungen, wurden nicht berücksichtigt. Daher fielen die NEFZ-Werte oft vielversprechender aus als der tatsächliche Verbrauch auf der Straße.
Side Fact:
Rollenprüfstände sind spezielle Einrichtungen in Laboren, auf denen Fahrzeuge für Tests platziert werden. Stellen Sie sich eine Art Laufband für Autos vor. Das Fahrzeug wird darauf positioniert und während die Räder sich drehen, bleibt das Vehikel an Ort und Stelle. Sensoren und Messgeräte erfassen dabei Daten wie Geschwindigkeit, Stromverbrauch und Reichweite.
Warum wurde der NEFZ überhaupt eingeführt?
Nach der Ölkrise in den 1970er Jahren wurde das Thema Kraftstoffverbrauch immer wichtiger. Die Preise stiegen und die Verbraucher wollten wissen, wie "durstig" ihr neues Auto wirklich war. Es gab ein wachsendes Bedürfnis nach Transparenz und Vergleichbarkeit. Der NEFZ wurde als Antwort auf dieses Bedürfnis eingeführt, um eine klare Vorstellung vom Kraftstoffverbrauch und den Emissionen eines Fahrzeugs zu geben.
Warum nicht einfach auf der Straße testen?
Eine berechtigte Frage! Tatsächlich gibt es mehrere Gründe, warum die Laborumgebung bevorzugt wurden:
- Kontrolle: Im Labor können alle Variablen, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind, kontrolliert werden. So werden die Fahrzeuge unter denselben Bedingungen getestet.
- Reproduzierbarkeit: Auf der Straße können sich Faktoren wie Verkehr, Wetter und Straßenverhältnisse dauerhaft ändern. Ein Labor hingegen bietet Reproduzierbarkeit, weshalb die Tests bei Bedarf wiederholt werden können.
- Sicherheit: Kontrollierte Umgebungen bieten eine sichere Durchführung solcher Tests ohne Risiko für den Fahrer oder andere Verkehrsteilnehmer.
Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass trotz der Vorteile von künstlichen Umgebungen die Kritik am NEFZ berechtigt ist. Die Unterschiede zwischen Labor- und Straßenbedingungen führten oft zu Diskrepanzen in den Ergebnissen, da Tests im öffentlichen Verkehr im Allgemeinen realistischere Daten liefern.
So sieht der Test aus
Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, wird der NEFZ, wie bereits erwähnt, unter denselben Bedingungen durchgeführt. Da es bei Elektroautos keine CO2-Emissionen gibt, wird der Energieverbrauch in Kilowattstunden pro 100 Kilometer (kWh/100 km) gemessen. Der Test sieht folgendermaßen aus:
1. Vorbereitung
Das Fahrzeug wird über Nacht bei einer Temperatur von 20 bis 30°C gelagert und die Batterie des Elektroautos wird vollständig aufgeladen. Die Temperatur befindet sich deshalb in diesem Bereich, da sie im Vergleich mit anderen europäischen Regionen einen guten Durchschnittswert darstellt. Außerdem beeinflussen zu niedrige oder hohe Temperaturen das Aufladen der Batterie negativ.
2. Stadtzyklus (ECE-15)
Dieser Zyklus simuliert eine Fahrt in der Stadt mit vielen Stopps und Starts. Er dauert 13 Minuten und 15 Sekunden und umfasst eine Strecke von 4 Kilometern. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 19 km/h. Dieser Zyklus wird zweimal durchgeführt.
3. Außerstädtischer Zyklus (EUDC)
Dieser Zyklus simuliert eine Fahrt außerhalb der Stadt mit höheren Geschwindigkeiten. Er dauert 6 Minuten und 40 Sekunden und umfasst eine Strecke von 7 Kilometern. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 63 km/h.
4. Messung des Energieverbrauchs
Nach Abschluss der beiden Zyklen wird der Energieverbrauch des Elektroautos gemessen, um die Reichweite festzulegen.
5. Bestimmung der maximalen Reichweite
Um die maximale Reichweite des Fahrzeugs zu ermitteln, wird das E-Auto weiterhin unter den gleichen Bedingungen gefahren, bis die Batterie vollständig entladen ist.
6. Ergebnisauswertung
Die Ergebnisse aus den beiden Zyklen und die maximale Reichweite werden kombiniert, um den durchschnittlichen Energieverbrauch und die Reichweite des Elektroautos zu ermitteln. Diese Werte finden sich dann in Verkaufsprospekten und technischen Datenblättern wieder.
Parameter |
Detail |
Temperatur in der Prüfkammer |
20 °C – 30 °C |
Streckenlänge |
11 km |
Dauer des Zyklus |
20 Minuten |
Zusammensetzung des Zyklus |
13 Minuten simulierte Stadtfahrt, 7 Minuten simulierte Überlandfahrt |
Durchschnittsgeschwindigkeit |
ca. 33 km/h |
Standzeitanteil |
25 % |
Höchstgeschwindigkeit |
120 km/h |
Berücksichtigung von Sonderausstattung und Klimatisierung |
Nicht berücksichtigt |
Warum der NEFZ nicht mehr verwendet wird?
Der NEFZ wurde 2017 durch das neuere Verfahren WLTP ersetzt, da es einige Kritikpunkte gab, welche die Ergebnisse zum Energieverbrauch und zur Reichweite von E-Autos verzerrten:
1. Unrealistische Testbedingungen
Der NEFZ wurde in einem Labor unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt. Viele Faktoren, die den Energieverbrauch eines Elektroautos in der realen Welt beeinflussen, wie Wetterbedingungen, Fahrstil oder Straßenbedingungen, wurden nicht berücksichtigt. Dadurch waren die Reichweitenangaben eher idealistisch als der Realität entsprechend.
2. Keine Berücksichtigung von Nebenverbrauchern
Bei E-Autos haben Komponenten wie Heizung, Klimaanlage oder Beleuchtung einen signifikanten Einfluss auf die Reichweite. Der NEFZ berücksichtigte diese Faktoren nicht ausreichend, was zu einer Überschätzung der tatsächlichen Reichweite führte.
3. Schnellladungen ignoriert
Der Energieverbrauch, der durch häufiges Schnellladen entsteht, wurde beim NEFZ ebenso wenig beachtet. Bei Elektroautos beeinflusst dieser Aspekt jedoch den Stromverbrauch und damit auch die Reichweite.
4. Veraltete Testzyklen
Das Fahrverhalten und die Technologie haben sich seit den 1990er Jahren erheblich weiterentwickelt, was den NEFZ im Kontext moderner Elektroautos zunehmend irrelevant machte. Vor allem in Anbetracht, dass der gemessene Wert bis zu 30 % von der realen Reichweite abweicht.
Vom NEFZ zum WLTP: Ein notwendiger Wandel
Manchmal braucht es einfach einen frischen Wind, und genau das hat die Automobilindustrie mit dem Übergang vom NEFZ zum WLTP bekommen. Der Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure (WLTP) ist seit dem 1. September 2018 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge verbindlich und sorgt für realistischere Testbedingungen.
Was hat sich geändert?
Der WLTP ist dynamischer und präziser als sein Vorgänger. Er berücksichtigt längere Fahrzeiten, weniger Stillstand und eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit. Zudem werden die Messungen am voll ausgestatteten Fahrzeug durchgeführt, wodurch auch die kleinen Extras, von der Klimaanlage bis zur Sitzheizung, in die Bewertung einfließen. Das Ergebnis sind genauere und realitätsnähere Verbrauchswerte. Für Elektroautos bedeutet das also zuverlässigere Angaben, wodurch die Reichweitenangst für potenzielle Käufer kein Grund zur Sorge sein muss. Warum allerdings auch der WLTP nicht zu 100 % richtige Werte misst, erfahren Sie in unserem Beitrag zu WLTP