E-Scooter Sharing: Zwischen Flexibilität und Stadtverschmutzung
Felix Bahr
Haben Sie schon mal die neugierigen Blicke von Passanten beobachtet, als Sie auf einem E-Scooter vorbeigeflitzt sind? Oder gehören Sie zu den Skeptikern, die den bunten Zweirädern eher kritisch gegenüberstehen? Egal welcher Gruppe Sie angehören, das Thema E-Scooter Sharing beeinflusst die Art und Weise, wie wir uns in Städten bewegen.
Aber wie funktioniert das eigentlich? Welche Vor- und Nachteile bringt das Teilen mit sich? Und welche Anbieter sollten Sie auf dem Schirm haben? In diesem Artikel setzen wir uns etwas genauer mit dem elektrischen Sharing-Angebot auseinander und werfen ein Blick auf beide Seiten der Medaille.
Wie funktioniert E-Scooter Sharing?
Das Prinzip E-Scooter Sharing funktioniert genauso einfach wie jedes andere Sharing-Angebot. Zunächst müssen Sie sich über eine App des E-Scooter-Sharing-Anbieters registrieren. Dafür sind normalerweise eine gültige E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Kreditkarteninformationen erforderlich. Nach einer Überprüfung der Daten kann das Ausleihen auch schon beginnen. So geht’s:
- E-Scooter finden: Über die App können Sie auf einer Karte alle verfügbaren E-Scooter in Ihrer Nähe finden. Dafür müssen Sie Ihre Standortdienste aktivieren.
- E-Scooter entsperren: Wenn Sie einen E-Scooter gefunden haben, können Sie diesen mit der App vor Ort entsperren – normalerweise durch das Scannen eines QR-Codes am Roller.
- Fahren: Nachdem der E-Scooter entsperrt ist, kann die Fahrt beginnen. Die Abrechnung erfolgt in der Regel pro Minute oder Kilometer.
- Beenden der Fahrt: Sobald Sie Ihr Ziel erreicht haben, können Sie die Fahrt in der App beenden. Der E-Scooter muss in einer dafür vorgesehenen Zone abgestellt werden, welche von der App angezeigt wird. Die Fahrtkosten werden dann automatisch von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht.
Vorteile von E-Scooter Sharing
Das Teilen von Dingen macht das Leben deutlich günstiger und auch einfacher. Mal ehrlich: Wer braucht schon einen Haufen Zeug und vor allem, wieso sollte jeder einen eigenen E-Scooter besitzen, wenn der Bedarf gering ist und meist erst spontan unterwegs entsteht? Durch das Teilen spart man sich eine Menge Platz, Stress und natürlich auch Kosten. Sharing-Angebote sind daher echte “Lebensverbesserer”. Man kann den E-Scooter flexibel nutzen und einfach am Zielort stehen lassen. In kurzer Zeit ist er dann schon wieder von einer anderen Person in Benutzung und man schnappt sich bei Bedarf einfach einen neuen.
E-Scooter Sharing immer wieder in der Kritik
Trotz ihrer Beliebtheit und Bequemlichkeit bringen E-Scooter auch Herausforderungen für den urbanen Raum mit sich. Oft ist sogar die Rede davon, dass sie das Stadtbild zerstören. Grund dafür: Oft stehen sie im Weg rum und landen manchmal sogar im Gebüsch. Nicht alle Benutzer gehen ordnungsgemäß mit den E-Scootern um. Es ist auch nicht ungewöhnlich, mehr als eine Person auf einem Scooter zu sehen, obwohl dies gegen die Nutzungsbedingungen verstößt. Auch die Verkehrsregeln, wie die Vorgabe, dass E-Scooter nur auf Radwegen gefahren werden dürfen, werden nicht immer eingehalten.
Angesichts dieser Schwierigkeiten bemühen sich die Anbieter, für Ordnung zu sorgen. Viele der Mitarbeiter sammeln spät in der Nacht E-Scooter ein, um sie ordentlich aufzureihen und gleich die Akkus zu laden bzw. auszutauschen. Am nächsten Morgen stehen die E-Scooter dann meist an strategischen Knotenpunkten und Kreuzungen bereit für ihren nächsten Einsatz. Um die ordnungsgemäße Nutzung zu fördern, machen zudem alle Sharing-Anbieter ausdrücklich auf die Regeln und Vorschriften für den Gebrauch ihrer E-Scooter aufmerksam.
Regeln beim E-Scooter Sharing
- Nutzung ausschließlich durch registrierte Nutzer
- Mindestalter 18 Jahre
- Nur eine Person pro E-Scooter
- Fahren nur auf zugelassenen Flächen und Radwegen
- Beide Hände müssen während der Fahrt frei sein
- Keine Benutzung von Handys während der Fahrt
- Kein Alkohol- oder Drogenkonsum vor oder während der Nutzung
Die Nutzung eines E-Scooters setzt eine gewisse Verantwortung voraus. Obwohl das Tragen eines Helms nicht vorgeschrieben, sondern lediglich empfohlen ist, sollte die Sicherheit immer an erster Stelle stehen. Die Einhaltung der Verkehrsregeln ist dafür unabdingbar. Leider hält sich nur nicht jeder Nutzer daran und gefährdet damit weitere Verkehrsteilnehmer. Deshalb greift auch gerne mal die Polizei durch.
Was Sie sonst noch über den Gebrauch von E-Scootern wissen müssen und welche Strafen bei Missachtung drohen, erfahren Sie in unserem passenden Artikel E-Scooter-Regeln: Was gilt es zu beachten?
Die Anbieter im Überblick
In deutschen Städten sind mehrere Sharing-Anbieter aktiv, unter anderem Lime, Bolt, Voi und Dott. Welche davon in Ihrer Stadt verfügbar sind, unterscheidet sich erheblich – Großstädte haben oft vier oder mehr Anbieter parallel, in mittleren Städten ist es einer oder gar keiner.
Der Markt ist in Bewegung. In den vergangenen Jahren haben sich Anbieter zusammengeschlossen, andere haben sich aus einzelnen Städten oder ganz aus Deutschland zurückgezogen. Wir nennen deshalb bewusst keine tagesaktuellen Preise: Sie ändern sich häufig und unterscheiden sich zudem von Stadt zu Stadt. Ein Blick in die jeweilige App vor der Fahrt ist verlässlicher als jede Tabelle.
Wie sich die Kosten zusammensetzen
Das Preismodell ist bei allen Anbietern ähnlich aufgebaut:
- Freischaltgebühr – ein einmaliger Betrag pro Fahrt, meist um einen Euro. Einige Anbieter verzichten inzwischen darauf und rechnen nur nach Minuten ab.
- Minutenpreis – der laufende Tarif, üblicherweise im Bereich von 15 bis 25 Cent pro Minute.
- Tages- oder Monatspässe – lohnen sich, wenn Sie regelmäßig fahren.
- Zuschläge – für das Abstellen außerhalb der erlaubten Zone verlangen Anbieter eine Gebühr. Wer den Roller weit außerhalb des Geschäftsgebiets stehen lässt, zahlt deutlich drauf.
Für kurze Strecken ist die Freischaltgebühr der entscheidende Posten: Bei einer Fahrt von fünf Minuten macht sie schnell die Hälfte des Preises aus. Für längere Fahrten zählt dagegen vor allem der Minutentarif.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- Geschäftsgebiet: Prüfen Sie vor dem Losfahren, wo Sie den Roller abstellen dürfen. Außerhalb der Zone läuft der Tarif weiter oder es fällt ein Zuschlag an.
- Verfügbarkeit am Ziel: Ein günstiger Anbieter nützt wenig, wenn am Zielort kein Roller steht.
- Parkregeln der Stadt: Viele Kommunen haben feste Abstellflächen eingeführt, nachdem herumliegende Roller zum Dauerärgernis geworden waren.
Fazit zum E-Scooter Sharing
E-Scooter-Sharing bietet eine flexible und kosteneffiziente Möglichkeit, sich in städtischen Gebieten fortzubewegen. Mit Anbietern wie TIER, Bolt, Lime und Voi, die mittels einfacher Apps ihre E-Scooter zur Verfügung stellen, können Sie nach Bedarf einen Roller finden, entsperren, nutzen und am Ziel wieder abstellen.
Allerdings ist diese elektrische Mobilitätslösung nicht frei von Herausforderungen. Insbesondere die häufige Unordnung durch achtlos abgestellte E-Scooter sowie eine teilweise missbräuchliche Nutzung führen häufig zu Kritik. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verantwortung des Einzelnen für eine sichere und regelkonforme Nutzung. Ungeachtet dessen ist E-Scooter-Sharing ein innovatives Angebot, das das Potenzial hat, unsere Mobilität in Städten nachhaltig zu verändern.
Doch keine Lust auf das Sharing-Angebot, weil der Kauf eines eigenen elektrischen Rollers sich für Sie mehr lohnt? In unserem Artikel E-Scooter mit Straßenzulassung finden Sie alles über Zulassungen und einen Vergleich aktueller Modelle.
Häufige Fragen
Was kostet eine Fahrt mit einem geliehenen E-Scooter?
Die Kosten setzen sich meist aus einer Freischaltgebühr um einen Euro und einem Minutenpreis von etwa 15 bis 25 Cent zusammen. Einige Anbieter verzichten auf die Freischaltgebühr. Bei kurzen Fahrten macht die Grundgebühr schnell die Hälfte des Preises aus, bei längeren Strecken zählt vor allem der Minutentarif. Die genauen Tarife unterscheiden sich je Anbieter und Stadt.
Wo darf man einen Leih-E-Scooter abstellen?
Innerhalb des Geschäftsgebiets des jeweiligen Anbieters, das in der App angezeigt wird. Viele Städte haben zusätzlich feste Abstellflächen eingeführt. Wer außerhalb der erlaubten Zone parkt, zahlt einen Zuschlag – oder der Tarif läuft weiter.
Braucht man für einen Leih-E-Scooter einen Führerschein?
Nein. Für E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h ist kein Führerschein nötig. Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren. Die Anbieter setzen in ihren Nutzungsbedingungen teils ein höheres Mindestalter an.
Ist der Leih-E-Scooter versichert?
Ja, die Sharing-Anbieter versichern ihre Fahrzeuge über ein Versicherungskennzeichen – erkennbar an der Plakette am Heck. Diese deckt Schäden ab, die Sie Dritten zufügen. Eigene Verletzungen und Schäden am Roller sind damit nicht automatisch abgedeckt; die Details regeln die Nutzungsbedingungen des Anbieters.