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    E-Auto zuhause laden ohne Wallbox

    Tesla zuhause laden

    Inhalt

    Ein verbreiteter Irrglaube sagt, man brauche für ein Elektroauto zuhause eine Wallbox. Also ein fest montiertes Ladegerät, um das Auto jeden Abend aufzuladen. Doch lädt man ein E-Auto nicht wie ein Smartphone. Und eine eigene Wallbox braucht man mitnichten. Wie und wo man sein Elektroauto im Alltag zuhause ohne Wallbox auflädt, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Aufladen im Alltag

    Im Stadtverkehr haben Elektroautos eine sehr große Reichweite, denn der Stromverbrauch hängt im Wesentlichen von der gefahrenen Geschwindigkeit ab, und die ist in der Stadt sehr niedrig. Zudem wird durch die Rekuperation an jeder Ampel Energie zurückgewonnen. So kommt ein modernes E-Auto in der Stadt etwa 500 Kilometer weit. Die durchschnittliche täglich gefahrene Strecke liegt dabei laut Statistischem Bundesamt bei nur 32 Kilometern. Der Akku reicht also in der täglichen Nutzung in der Stadt für mehr als zwei Wochen – noch länger, wenn man das Auto nicht jeden Tag verwendet. Im Stand beim Parken verbraucht ein Elektroauto mit rund einem Prozent am Tag kaum Energie.

    Allerdings fährt man ein Elektroauto, ebenso wie einen Verbrenner, nicht bis der Akku leer ist. Man lädt es schon ab ca. 40 Prozent Akkustand wieder auf. Dabei lädt man, auch zuhause, meist auch nicht auf 100 Prozent, denn Standzeiten mit voller Batterie verringern auf Dauer die Leistung der Lithium-Ionen-Akkus.

    Im Alltag lädt man ein Elektroauto daher etwa einmal pro Woche und hat dazu verschiedene Möglichkeiten:

    E-Auto zuhause laden

    Ohne Frage ist eine eigene Wallbox die komfortabelste Lösung, um das E-Auto zuhause aufzuladen. Es lädt hier mit meist 11 kW die Energie für eine Strecke von 50 Kilometer in einer Stunde – die Ladegeschwindigkeit beträgt also 50 km/h. In vier Stunden ist der Akku damit von 40 wieder bei 80 Prozent.

    Doch nicht jeder hat zuhause einen Parkplatz mit Stromanschluss auf dem eigenen Grundstück. Für die Stellplätze in einer Hausgemeinschaft ist die Zustimmung der Wohnungseigentümer nach den jüngsten Gesetzesänderungen zwar erleichtert worden, selbstverständlich ist sie jedoch noch immer nicht. Auch zu bedenken sind die Kosten für eine eigene Wallbox mit Zuleitungskabeln und eigener Absicherung im Hausanschluss, die schnell bei 2.000 Euro oder mehr liegen können. 

    Zum Glück ist die eigene Wallbox nicht die einzige Möglichkeit ein E-Auto zuhause zu laden: Bei so gut wie jedem Elektroauto wird ein Ladegerät für die Schuko-Steckdose mitgeliefert. Mit diesem kann man das Auto an einer ganz normalen Haushaltssteckdose mit 3 kW aufladen. Hier lädt es mit 13 km/h also die Energie für eine Strecke von etwa 13 Kilometer in einer Stunde. Eingesteckt für eine Nacht von 18:00 Uhr bis 9:00 Uhr sind das in 15 Stunden 200 Kilometer. Bei durchschnittlich 32 Kilometern, die ein deutscher Autofahrer am Tag zurücklegt, reicht das für eine ganze Woche.

    Tesla Model 3 an der Steckdose
    Teslas Model 3 lädt an der Haushalts-Steckdose

    Wer zuhause einen Starkstrom- oder Drehstrom-Anschluss hat, also eine rote CEE-Dose, kann auch mobile Ladegeräte mit höherer Leistung verwenden. Diese erreichen ebenso wie eine fest montierte Wallbox eine Leistung von 11 kW für das Aufladen mit 50 km/h. Einen Vergleich der solcher mobilen Ladegeräte mit 11 kW Leistung finden Sie hier.

    Audi lädt mit mobilem Ladegerät an einer CEE Steckdose
    Audi E-Tron lädt mit mobilem Ladegerät an einer CEE Steckdose

    Die Kosten bei Aufladen zuhause liegen bei etwa 0,40 €/kWh, entsprechend 0,09 €/km. Hinzu kommen die Kosten für die elektrische Installation und Wallbox oder mobilem Ladegerät.

    E-Auto bei der Arbeit aufladen

    Viele Arbeitgeber ermöglichen ihren Mitarbeitern, Elektroautos an Ladesäulen auf dem Firmengelände aufzuladen. Alternativ können E-Autos auch hier an der Steckdose oder am Starkstrom-Anschluss aufgeladen werden.

    Der besondere Vorteil: Arbeitgeber dürfen ihren Angestellten auch für ihr privates Elektroauto den Strom kostenlos und steuerfrei zur Verfügung stellen. Hier besteht also deutliches Sparpotential.

     

    Ladestationen im Parkhaus für Mitarbeiter von Siemens in Erlangen
    Parkhaus für Mitarbeiter von Siemens in Erlangen mit 88 Ladestationen

    Einkaufen und E-Auto laden

    Strom aus dem Supermarkt? So ungewöhnlich das zunächst klingt, so selbstverständlich ist es doch. Supermärkte wie Lidl, Aldi, Edeka, Rewe oder Kaufland haben an immer mehr Standorten Schnellladestationen mit 50 kW oder mehr. Hier lädt das Auto mit 220 km/h. Während des wöchentlichen Einkaufs kann man also in nur 60 Minuten die benötigten Kilometer für die nächsten Tage aufladen.

    Ladesäulen auf einem Lidl Parkplatz
    Ladesäulen bei Lidl in Berlin

    Auch immer mehr Parkhäuser und Tiefgaragen bieten Lademöglichkeiten. Hier gibt es oft zehn und mehr Ladestationen oder sogar gleich 130 (!) Stück, wie im Parkhaus Sandreuth in Nürnberg. Auch hier kann man bequem während des Parkens aufladen, meist mit 11 kW, also 50 km in der Stunde.

    E-Auto im Parkhaus aufladen
    Parkhaus mit zehn Ladestationen

    Der Strom an Ladesäulen von Supermärkten und Parkhäusern kostet je nach Ladekarte zwischen 0,40 €/kWh und 0,65 €/kWh, entsprechend 0,09 €/km bzw. 0,14 €/km. Bei machen Geschäften wie beispielsweise Ikea ist das Aufladen immer noch kostenlos.

    Aufladen an der Tankstelle

    Längst haben auch die Tankstellen die Zeichen der Zeit erkannt und stellen ihr Geschäftsmodell auf die Zukunft mit Elektroautos um. Shell, Aral, OMV und andere bieten an ihren Tankstellen auch Hypercharger an. Mit 150 kW und mehr lädt ein Elektroauto hier mit 600 km/h. In 20 Minuten kann man die Kilometer für die ganze Woche laden. Man kann also mit einem Elektroauto auch ganz klassisch "zur Tanke fahren". Und man braucht dort nur etwa 10 Minuten länger, als mit einem Verbrenner.

    An Tankstellen mit Hyperchargern ist das Aufladen etwas teurer. Hier kostet der Strom je nach Ladekarte zwischen 0,50 €/kWh und 0,65 €/kWh, entsprechend 0,11 €/km bzw. 0,14 €/km.

    Hypercharger Ladesäulen an einer ARAL Tankstelle
    Hypercharger Ladesäulen an einer ARAL Tankstelle

    Aufladen an der Straße

    Als "Laternenparker" aufladen an Ladestationen an der Straße ist wahrscheinlich die bekannteste Art, ein Elektroauto zu laden, jedoch nicht die komfortabelste: Sind schon die Parkplätze in vielen Wohngebieten knapp, so sind es Parkplätze mit Ladesäulen erst recht. Zusätzlich sind diese häufig mit Car-Sharing-Autos belegt, von Verbrennern zugeparkt und leider auch oft defekt. Während man tagsüber noch gute Chancen hat, ist es abends eher unwahrscheinlich, eine freie und funktionierende Ladesäule an der Straße zu finden.

    Hinzu kommen Unbequemlichkeiten: Ladesäulen an der Straße bedienen meist zwei Parkplätze. Das kann je nach Parksituation bedeuten, dass das Kabel quer über das Auto oder einmal drumherum geführt werden muss, wofür es unter Umständen dann zu kurz ist. Parkt man entgegen der Fahrtrichtung, um den Ladeanschluss näher an die Ladesäule zu bringen, riskiert man ein Verwarngeld von 15 Euro.

    Öffentliche Ladesäule an der Straße
    Ladesäule mit zwei Parkplätzen an der Straße

    Solche Ladesäulen an der Straße bieten üblicherweise eine Leistung von 11 kW, mit der das Auto 50 Kilometer in der Stunde laden kann. Der Akku sollte also nach vier Stunden von 40 auf 80 Prozent aufgeladen sein. Damit die wenigen Ladesäulen entlang der Straße nicht länger blockiert werden, ist auch für Elektroautos die maximale Parkdauer tagsüber meist auf vier Stunden begrenzt. Das bringt die nächste Unbequemlichkeit: Nach vier Stunden, spätestens um 8:00 Uhr morgens, muss man das Auto umparken, möchte man kein Verwarngeld oder gar Abschleppen riskieren.

    Der Strom an Ladesäulen an der Straße kostet je nach Ladekarte zwischen 0,40 €/kWh und 0,65 €/kWh, also 0,09 €/km bzw. 0,14 €/km. Vorsichtig sein muss man je nach Anbieter mit zusätzlichen Kosten für verlängerte Standzeiten, also Blockiergebühren. Diese können mit 0,10 €/Minute ab vier Stunden schnell erheblich werden, insbesondere wenn man über Nacht dort steht.

     

    Side Fact:
    Eine flächendeckende Ausstattung von Parkplätzen an der Straße mit Lademöglichkeiten ist nicht zu erwarten, da sich als zukünftig bevorzugte Lademöglichkeit das Aufladen im Supermarkt und an der Tankstelle abzeichnet. Der Aufwand eine Stromversorgung für die benötigte Leistung entlang den Straßen herzustellen wäre unverhältnismäßig.

    Fazit: Elektroauto laden ohne Wallbox

    Um im Alltag ein Elektroauto zu fahren, wird keine eigene Wallbox zuhause benötigt. Im Gegenteil: Viele Elektroautofahrer laden ihre Autos nicht zuhause, sondern an öffentlichen Lademöglichkeiten. Hier empfehlen sich je nach Gewohnheit vor allem das Laden im Supermarkt oder an der Tankstelle. Aufladen an Ladestationen an der Straße ist hingegen eher umkomfortabel und allzuoft nicht verfügbar. Geld sparen kann, wer bei der Arbeit lädt, denn auch für private Autos darf der Strom vom Arbeitgeber kostenlos und steuerfrei zur Verfügung gestellt werden.

     

    Angaben zu Strompreisen Stand Juli 2023